Lesezeichen: Die Presse vor dem Spiel gegen die Eisbären Berlin
Jeden Tag erscheinen Artikel rund um die Kölner Haie, die oft wenig mehr als Spielstatistiken und wenig Mehrwert liefern. Der Haieblog legt ein „Lesezeichen“ ein, wenn besondere Artikel, Zeitschriften oder Bücher erscheinen und versucht sich an einer Einordnung.
Die Geschichte des Spiels: Noebels VS Berlin
Natürlich ist die Geschichte des Spiels das Duell von Ex-Eisbär Marcel Noebels gegen Berlin – und insbesondere gegen seinen seinen langjährigen Sturmpartner Leo Pföderl. Vor dem Spiel gegen den Meister wird der Wechsel, seine neue Rolle und den Saisonstart behandelt.
Als die eigentliche Bekanntgabe der Verpflichtung von Marcel Noebels im Mai 2026 durch die Kölner Haie erfolgte, war das Gerücht schon lange keins mehr. Spätestens seit Dezember 2025 war der Wechsel in der Welt – und genauso lange drehte sich bereits die Diskussion um die Sichtweise auf den Wechsel. Spätestens seit Dezember 2025 kursierten konkrete Gerüchte über einen Wechsel nach Köln – und die Diskussion über den Transfer begann entsprechend früh.
Das Erwartungsspektrum an Noebels‘ Leistung
Auf der einen Seite des Spektrums wurde er als ein aussortierter Spieler betrachtet, der im Herbst seiner Karriere eben jene möglicherweise ausklingen lassen möchte – als ein Spieler, der mit seiner Siegermentalität, seinem konstanten Scoring und seiner Spielstärke die Mannschaft der Kölner Haie tragen würde können.
Erst im Nachhinein wurde bekannt, dass die Eisbären Noebels bereits nach der Saison 2024/25 mitgeteilt hatten, dass sie nicht weiter mit ihm planen – und Sportdirektor Matthias Baldys schon zu diesem Zeitpunkt aktiv geworden war. Nur der Umstand, dass die Offensivstellen im Kader der Haie für die Saison 2025/2026 bereits verplant gewesen seien, habe den Transfer eine Saison früher verhindert. Nun ist er für zwei Jahre in Köln und ist hier gestartet, wie er Berlin verlassen hat.
Im Realitätscheck mehr als überzeugt
Als die Haie Nebels im Mai 2026 offiziell verpflichteten, kam Noebels gerade aus einer starken Saison mit Berlin. Besonders aussagekräftig waren seine 14 Scorerpunkte in 15 Playoff-Spielen auf dem Weg zur Berliner Meisterschaft. Nach den ersten vier CHL-Spielen im KEC-Dress hatte Noebels 7 Tore und 4 Assists – also 11 Punkte – in 4 Spielen. In den beiden Spielen des letzten Wochenendes kam er auf immerhin ein Tor gegen Wolfsburg. Oder wie Noebels selber sagt: „Der Tapetenwechsel hat mir einen neuen Schub gegeben.“
Jetzt das Duell gegen seinen Ex-Club
Selbstverständlich konfrontiert ihn die Presse nun mit seinen Gefühlen vor dem ersten Duell gegen seinen Ex-Club. Wie es sich für eine Berliner Vereinslegende gehört, spart Noebels nicht mit positiven Worten über die Eisbären. Etwas tiefer geht ein Interview in der Eishockey News, welches das Aufeinandertreffen mit seinem Duo-Partner Leo Pföderl ins Zentrum rückt.
Das Interview ist auch deshalb lesenswert, weil Noebels dazu Stellung nimmt, was er als einzelner Spieler aus der geölten Maschinerie der Eisbären Berlin mit nach Köln bringen kann – nämlich vermeintlich weniger, als vermutet: „(…) Eine gewisse Formel kann ich aus Berlin nicht mitbringen. Ich kann nur als Einzelspieler dafür sorgen, die bestmögliche Leistung abzurufen, damit wir als Mannschaft funktionieren.“ Natürlich betont er die Notwendigkeit eines tiefen und qualitativ hochwertigen Kaders angesichts der beiden Wettbewerbe DEL und CHL und auch den Faktor Glück.
Vielleicht unterschätzt Noebels an dieser Stelle aber selbst, wie viel er als über zehn Jahre in Berlin verankerter Führungsspieler an Strukturen, Abläufen und Details wahrgenommen hat, die auch die Kölner Haie auf und neben dem Eis weiterentwickeln könnten.
Wohin führt der Weg mit Köln?
Auch im Interview mit der SportBild spielt Noebels auf der Klaviatur, auf die die Medien allgemein und die Kölner Medien insbesondere anspringen. Natürlich dämpft er einerseits durch bewusst vage Formulierungen die Erwartungen („Wir wollen eine lange Saison spielen und ein Wörtchen mitreden, wenn es um die Titelvergabe geht.“). Andererseits muss er aber auch betonen, dass Köln (…) nach 25 Jahren mal wieder an der Reihe (wäre).“ Interessant ist, dass er auch Moritz Müller in den Fokus zieht, wenn er sagt, dass er „am meisten (…) Moritz Müller den Titel (wünscht). Er ist so ein toller Kerl und harter Arbeiter. Nicht nur aus Eigeninteresse würde ich Mo den Titel von Herzen gönnen.“ An einer solchen, erfrischend ehrlich formulierten Stelle tritt hervor, welchen Respekt der Charakter und die unermüdliche Arbeitseinstellung als Eigenschaften des Haie-Kapitäns im Kreise der deutschen Spieler genießen.
Langemann zum Saisonstart und zum Spiel gegen Berlin
Bemerkenswert ist auch ein Gastbeitrag von Detlef Langemann im Kölner Stadt-Anzeiger, einem der Gründerväter und Ex-Kapitän des KEC. Langemann, der seit mehreren Jahren wieder verstärkt in die Öffentlichkeit tritt, betont die Attraktivität des heutigen Eishockeysports am ersten Liga-Wochenende. Gleichwohl mahnt er eine zu offensive Spielweise an, was angesichts von 11 Gegentoren in zwei Spielen am vergangenen Wochenende wenig überraschend ist.
Interessant ist seine sachte Kritik an der vereinseigenen Kommunikation, die „in den eigenen Veröffentlichungen und Aussagen sehr viel sehr positiv dargestellt.“ Diese Feststellung passt in die Zeit und nimmt ganz leichte Anleihen im Fußball, wo das Auftreten von „weichgespülten“ Spielern kritisiert wird, die keine „Ecken und Kanten“ haben und keine Kritik üben.
Berlin Spiel: „Kommt vielleicht genau richtig!“
Auf der Weg hin zur Umsetzung des neuen Spielsystems kommt für Langemann der Gegner Berlin „vielleicht genau richtig“, da man gegen „einen starken Gegner automatisch besonders aufmerksam und konzentriert“ spielt. Und Berlin ist genau ein solcher Gegner: „Gegen den Meister braucht niemand zusätzlich motiviert zu werden. Da erwarte ich, dass die Konzentration von Anfang an da ist.“


